Artikel Handelszeitung von Rolf Löffler

Handelszeitung über invididualisierbare Schuhe - Interview mit Caroline Schira

Caroline Schira gab der Handelszeitung ein Interview zu den individualisierbaren Schuhen und den Markttrends.

Den eigenen Schuh gestalten, Aussehen, Stil und Material bestimmen – welche Frau hat nicht schon davon geträumt? Das Zürcher Jungunternehmen Diamond Heels erkennt in diesem Traum seine Chance. Aus fünf Grundtypen sucht die Kundin ein Modell aus, probiert es und entwirft am Bildschirm den Schuh – Form, Leder, Farbe und Absatzhöhe bestimmt sie selber. Anschliessend sendet Diamond Heels die Daten an eine Manufaktur in Portugal. Schuhmacher fertigen die Schuhe dort von Hand, und sechs Wochen später holt die Kundin ihr Paar im Laden ab. Passt es nicht, nimmt es Diamond Heels zurück. Die Jungfirma bietet ihre Schuhe nicht in eigenen Läden an, sondern verkauft sie via Lizenzpartner, welche Geschäftslokale betreiben. «Der Detailhandel steht wegen hoher Löhne und des Online-Handels unter Druck, es hat keinen Sinn, weitere teure Standorte aufzubauen», so Geschäftsführerin Caroline Schira. Und weil Diamond Heels bloss auf Kundinnenwunsch fertigt, spart sich der Verkäufer das Warenlager.

Entstanden ist die Idee aus SuitArt, einer anderen Firma. Dort verkaufen zwei der drei Diamond-Heels-Günder (David Bachmann und Matthias Böhm Massanzüge, ebenfalls mit Franchisenehmern. Bei Diamond Heels stiess Marc Massenz als dritter Gründer hinzu. Mit ihrer ersten Firma holten sie sich Kenntnisse über den Modemarkt, die es auf den Schuhverkauf zu übertragen galt.

Kundinnen wollen teure Schuhe probieren

Der Online-Verkauf revolutioniert den Detailhandel, «aber nur online wird keine Zukunft haben», ist Schira überzeugt. «Auch der grösste deutsche Online-Mode-Versandhändler hat begonnen, Showrooms einzurichten.» Diamond Heels verkauft Frauenschuhe im Premiumsegment, die Preise liegen zwischen 289 und 1000 Franken. Erreicht der Preis eine bestimmte Höhe, will die Kundin sicher sein, dass der Schuh passt. Zudem kann das Internet mit dem Shopping-Gefühl des Ladenverkaufs nicht mithalten. Die Firma setzt auf ihre Mischform – Schuhmodell im Laden wählen, am Bildschirm gestalten, bestellen und abholen.

Sieht sie keine Hemmschwelle wegen der mehrwöchigen Wartefrist? «Der Vorteil, einen selbst designten Schuh zu haben, überwiegt; die Wartezeit ist ein Qualitätsfaktor», sagt Caroline Schira. Diamond Heels biete der Kundin die Möglichkeit, unter 300'000 Modellen ihren eigenen Schuh auszuwählen, dafür müsse sie schon etwas Geduld aufbringen. Bei der Auswahl der Franchisepartner zeigt sich Diamond Heels offen. «Die Strategie des Partners ist entscheidend», erklärt Caroline Schira. Unternehmen, die schon Schuhe im Bereich Premium verkaufen, wie auch solche, die sich im Markt höher positionieren wollen, kommen in Frage. Das gesamte Erscheinungsbild im Verkaufslokal muss ebenso passen – auch hier zeigt sich Diamond Heels flexibel, wie Schira sagt: «Massgebend ist, dass eine Win-win-Situation für beide Seiten entsteht.» Bei Diamond Heels muss sich der Lizenzpartner bloss um die Bedürfnisse der Endkundin kümmern, für Logistik, IT und Marketing ist Diamond Heels zuständig.

Expansion mit individualisierbaren Damenschuhen ins Ausland geplant

Diamond Heels ist seit Sommer 2014 auf dem Markt, angefangen hat das Unternehmen mit 15 Lizenzpartnern. Seither sind drei weitere hinzugekommen. Als besonderen Erfolg bezeichnet Schira, dass Diamond Heels nun auch in drei Filialen des Schuhhauses Walder vertreten ist

facts&figures

Gründer David Bachmann, Marc Massenz und Matthias Böhm gründeten Diamond Heels 2011. Sie betrieben davor SuitArt, eine Firma für Massanzüge. Geschäfts- führerin Caroline Schira stiess 2012 hinzu.

Idee Die Kundin wählt aus fünf Grundmodellen ihren Schuh und gestaltet ihn individuell. Anschliessend wird er gefertigt und ge- liefert. Die Schuhe werden über Partner verkauft.

Preise Diamond Heels gewann 2011 den Swiss Startup Award für den besten Businessplan.

und Anfang Juni ein Pop-up-Store am Zürcher Hauptbahnhof zusammen mit Ochsner Shoes eröffnet wird. Die Deutschschweiz betrachten die Inhaber als Test- und Eintrittsmarkt, von wo sie später in die Romandie und ins Ausland expandieren wollen. Bis Ende Jahr will Diamond Heels erste Verträge mit deutschen Partnern unterzeichnen. Die laufende Investorenrunde dient dazu, Kapital dafür zu beschaffen.

Diamond Heels hat den Geschäftssitz in der Zürcher Start Up Factory, wo weitere Jungunter- nehmen eingemietet sind. Insgesamt beschäftigt Diamond Heels sieben Personen, im Modell Home Office. In der Start Up Factory belegt die Firma zwei Arbeitsplätze. Für Caroline Schira ist der Sitz ideal, es herrsche eine Atmosphäre des gegenseitigen Austauschs, der Hilfe und Inspira- tion. Und das geteilte Büro helfe Kosten senken: «Mit einem ständig besetzten Empfang und dem grossen Sitzungszimmer verfügen wir über eine Infrastruktur, die sich ein junges Unternehmen sonst gar nicht leisten kann.» 

«Der reine Online-Versand hat im Detailhandel keine Chance, es braucht eine Mischform.» Caroline Schira Diamond Heels
 

Fakten zu Diamond Heels und den Schuhen

Diamond Heels startete mit 50'000 Franken Preisgeld des Startup Award. Den Rest kam von den drei Gründern. Dank Investoren steckt mittlerweile rund 1 Million Franken im Unternehmen, eine Investorenrunde läuft. Mitglied des Verwaltungsrates ist die Jet- set-Lady Vera Dillier. Ab ende 2016 will Diamond Heels profitabel arbeiten.

Bei Diamond Heels können die Modelle Bootie (Stiefeletten) und Ankle-Boots, Sandalen, Pumps und Peep Toes angefertigt werden. Die Schuhe gibt es je in verschiedenen Absatzhöhen und Formen sowie in über hundert verschiedenen Leder, die beliebig kombiniert werden können.

Diamond Heels gewann 2011 den mit CHF 50'000 Franken dotierten Swiss Startup Award für den besten Businessplan.
Im mit 75'000.- Franken dotierten Axa Innovation Award gewann Diamond Heels im gleichen Jahr von 120 Teilnehmern den zweiten Rang.